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Athabasken
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Athabasken bzw. Athapasken ist eine Sammelbezeichnung fĂŒr die zahlreichen zerstreut lebenden indigenen Bands des nördlichen Zweiges der athapaskischen Sprachfamilie, die bis auf eine Ausnahme (Dena'ina, Meeresfischer im Cook Inlet) in den borealen NadelwĂ€ldern, Waldtundren, BergwĂ€ldern sowie entlang der großen FlĂŒsse und Seen Alaskas (2005 ca. 7.000) und Nordwest-Kanadas (2005 ca. 27.000) leben.cite-ref-taschenatlas-1-0[1]

Der Name „Athapaskaw“ stammt von den sĂŒdlich benachbarten Wald-Cree und bedeutet â€žĂŒberall ist Gras oder Rohr“ und bezieht sich auf die Region im Westen des Athabasca Lake im nördlichen Alberta.cite-ref-motz-2-0[2]

Es sind zwei große regionale Gruppen zu unterscheiden:

‱ die Alaska-Athabasken oder Alaska-Dene (mit 13 Sprachen) im Interior Alaska sowie dem angrenzenden Yukon-Territorium, die sich selbst als Dinaa oder Dena („Volk“) bezeichnen sowie
‱ die nördlichen Athabasken oder Dene (mit 18 Sprachen) in den Nordwestterritorien (Denendeh – „Land der Dene“), im Yukon-Territorium, Nunavut sowie sĂŒdlich angrenzenden Gebieten der Provinzen British Columbia, Alberta, Saskatchewan und Manitoba im Nordwesten Kanadas, die sich selbst als T'ine, T'ana und heute zumeist als Dene (DenĂ©) („Volk“) bezeichnen.

Dieser nördliche Zweig der athabaskischen Sprachfamilie gliedert sich somit in mindestens 31 Einzelsprachen, die sich zudem auf Grund der Sozialstruktur der Athabasken wiederum in zahlreiche regionale Dialekte gliedern (gesprochen von je einer Lokalgruppe). Trotz der Sprachverwandtschaft sind die Sprachen untereinander nicht verstĂ€ndlich. Selbst innerhalb der Einzelsprachen – die jeweils als Dialektkontinuum zu betrachten sind – schwindet die gegenseitige VerstĂ€ndlichkeit mit zunehmender geographischer Distanz der Gruppen erheblich.cite-ref-ankn-3-0[3]

Die heute ĂŒbliche Einteilung in Stammesgruppen wurde auf Grund der Sprachfamilien durch Linguisten und Anthropologen getroffen und suggeriert somit ein SelbstverstĂ€ndnis der Alaska-Dene oder der Dene. TatsĂ€chlich betrachteten sich benachbarte und einen verwandten Dialekt sprechende Lokalgruppen jedoch nicht als eine grĂ¶ĂŸere Gemeinschaft und die Athabasken hatten nie eine soziale oder politische Idee einer Nation bzw. StammesidentitĂ€t entwickelt.

Die im SĂŒdwesten der USA und Nordmexiko beheimateten SĂŒdlichen Athabasken hatten Ă€hnliche Bezeichnungen wie die nördlichen Athabasken (Dene) und Alaska-Athabasken (Alaska-Dene); die Navajo nannten sich DinĂ© und die Apache (je nach Dialekt) Indee, NdĂ© oder T'Inde („Volk“).

Contents

‱ Kultur
‱ Glaube
‱ Trivia
‱ Siehe auch
‱ Literatur

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Stammesgruppen der Athabasken

Wie bereits erwĂ€hnt wurden die verschiedenen Gruppen der Athabasken erst durch die EuropĂ€er in grĂ¶ĂŸere regionale und kulturelle Stammesgruppen eingeteilt; vorher war dies den Athabasken völlig fremd, da sie durch eine traditionelle Stammesgesellschaft sowie die fĂŒr alle Athabasken typische IndividualitĂ€t geprĂ€gt waren. Die benachbarten Athabasken erkannten sich zwar anhand der gemeinsamen Sprache als jeweils sprachlich verwandt an, jedoch entwickelten die einzelnen Stammesgruppen unterschiedliche Kulturen und bekĂ€mpften sich teilweise gegenseitig. Jede Stammesgruppe unterteilte sich wiederum in Bands und diese nochmals in kleinere Lokalgruppen.cite-ref-4[4] Bis heute ist jedoch manchmal die Zuordnung mehrerer Bands (bzw. Lokalgruppen) zu einer Stammesgruppe umstritten. Zudem werden manche – seitens der Athabasken als eigenstĂ€ndige Sprachen betrachtete VarietĂ€ten – von Linguisten nur als Dialekte einer gemeinsamen Sprache wahrgenommenen (z. B. das Tahltan mit den Sprachen / bzw. Dialekten: Kaska (Dene ZĂĄgĂ©ÊŒ), Tahltan (Dahdzege) sowie Tagish (Tā̀gish))cite-ref-5[5]. Da die meisten Athabasken unter anglisierten Fremdbezeichnungen benachbarter – oftmals nichtathabaskischer Völker – bekannt wurden, sind hier die meist gebrĂ€uchlichen Stammesbezeichnungen wiedergegeben sowie (in Klammern) zuerst die Eigenbezeichnungen und dahinter die Namensherkunft (Sofern nicht anders angegeben bedeuten die Eigenbezeichnungen jeweils einfach „Volk“ oder „Menschen“).

Alaska-Athabasken oder Alaska-Dene

Die Alaska-Dene werden allgemein in elf Stammesgruppen unterteilt, von denen manche auch im angrenzenden Yukon anzutreffen sind (von Nordwesten nach SĂŒdosten):

1. Koyukon (Dinaa, Tl'eeyegge Hut'aane – „Volk mit einer gemeinsamen Sprache“cite-ref-6[6], oftmals jedoch nach der Zugehörigkeit ihrer regionalen Band/Gruppe als Hut'aane / Hotana – „Bewohner einer Gegend“, „Volk entlang, von, vom 
“; Namensherkunft: Koyukukhotana – „Volk am Koyukuk River“, nordwestlichste Gruppe der Alaska-Dene)

‱ Kaiyuhkhotana oder Lower Yukon Koyukon (entlang des Yukon River zwischen dem Anvik River und Koyukuk River, einschließlich des EntwĂ€sserungsgebiets des Innoko River nördlich des 63. Breitengrads Nord, wurden sowohl von den Koyukukhotana als auch von den Yukonikhotana / Unakhotana als Feinde betrachtet, nur sie leisteten mit KĂ€mpfen den EuropĂ€ern Widerstand)
‱ Koyukukhotana oder Koyukuk River Koyukon (im EntwĂ€sserungsgebiet des Koyukuk River)
‱ Yukonikhotana / Unakhotana oder Upper Yukon Koyukon (im EntwĂ€sserungsgebiet des Yukon River sĂŒdlich der EinmĂŒndung des Tanana River bis zur MĂŒndung des Koyukuk River)

2. Gwich'in oder Kutchin (Dinjii Zhuu – „kleine Leute“; Namensherkunft: Gwich’in – „Bewohner einer Gegend“, nördlichste Gruppe aller Indianer, lebten meist nördlich des Polarkreises in den Yukon Flats entlang des Yukon Rivers, Porcupine Rivers, Chandalar Rivers, Peel River, Mackenzie River und Arctic Red River im Norden vom Yukon und der Nordwestterritorien sowie im Nordosten Alaskas)

3. HĂ€n (Han) (JĂ«jee, HĂ€n HwĂ«ch'in – „Volk entlang des Flusses, d. h. des Yukon River“, oftmals jedoch nach der Zugehörigkeit ihrer regionalen Band/Gruppe als HwĂ«ch'in – „Bewohner einer Gegend“ oder „Volk entlang, von, vom 
“; Namensherkunft: Anglisierung ihrer Eigenbezeichnung HĂ€n HwĂ«ch'in bzw. des Gwich'in-Worts hangÊ·ičʌin (Han Gwich'in), was beides „Volk entlang des (Yukon) Flusses“ bedeutet, lebten beiderseits des oberen Yukon Rivers und des Klondike Rivers im Yukonterritorium und Alaska – oftmals fĂ€lschlich als eine Band der Gwich'in betrachtet)

4. Holikachuk oder Innoko (Dina, oftmals jedoch nach der Zugehörigkeit ihrer regionalen Band/Gruppe als Doogh Hit'an – „Einheimische“, „Locals“, „Bewohner einer Gegend“ oder „Volk entlang, von, vom 
“; Namensherkunft: Xiyighelinghdi (Huligachagat), der Bezeichnung eines inzwischen aufgegebenen Dorfes sowie nach ihren Stammesgebieten entlang des Middle und Upper Innoko River im Westen Alaskas – fĂ€lschlich oftmals mit den Koyukon zusammengefasst, obwohl sie kulturell den Deg Hit'an am nĂ€chsten stehen)

5. Ingalik (Dena oder Dina, heute Deg Hit'an – „Einheimische“, „Locals“, „Bewohner einer Gegend“ oder „Volk entlang, von, vom 
“ (diente ursprĂŒnglich zur Bestimmung der Zugehörigkeit zu einer regionalen Band/Gruppe); Namensherkunft: Yup'ik-Wort Ingqiliq – „Jene, die Eier von LĂ€usen haben“, „Jene, die verlaust sind“, eine Sammelbezeichnung fĂŒr alle Athabasken und spĂ€ter fĂŒr alle Indianer, wird von den Deg Hit'an als beleidigend abgelehnt, lebten entlang des Anvik River, des Innoko River, des Lower Yukon River sowie des Middle Kuskokwim River, daher in Ă€lterer Literatur auch Anvik-Shageluk Ingalik, Kuskokwim Ingalik oder Yukon Ingalik genannt – oftmals fĂ€lschlich als Kaiyuhkhotana bezeichnet)

6. Upper Kuskokwim oder Kolchan / Goltsan (Dina'enacite-ref-7[7], heute jedoch: Dichinanek' Hwt'ana oder Digenegh xit'an- „Volk entlang des mit viel Holz gesĂ€umten Flusses, d. h. des Kuskokwim Rivers“; Namensherkunft: wurden nach ihrem Stammesgebiet entlang des Upper Kuskokwim River im SĂŒdwesten Alaskas benannt oder nach der Tanaina-Bezeichnung Gheltsana oder Giltsane – „die Fremden, die Anderen“ fĂŒr benachbarte im Inland wohnende Athabaskencite-ref-8[8]cite-ref-9[9] – oftmals fĂ€lschlich als McGrath Ingalik bezeichnet, obwohl ihre Sprache und Kultur den Tanana/Lower Tanana nĂ€her steht als den Deg Hit'an (Ingalik), zudem wurden sie irrtĂŒmlich auch als Tundra Kolosh / Koulischen den Tlingit zugerechnet, da im Russischen Letztere als Koloshi (ĐšĐŸĐ»ĐŸŃˆĐž) bezeichnet wurden, was auf das Sugpiaq-Alutiiq-Wort kulut'ruaq fĂŒr Labret-Piercing zurĂŒckgeht)

Tanana Athabasken (hatten keine gruppenĂŒbergreifende Eigenbezeichnung, da sie sich nicht als eine Ethnie verstanden, je nach Sprache bzw. Dialekt: Dena, Dendeh / Dendeey oder Dineh, jedoch oftmals nach der Zugehörigkeit ihrer regionalen Band/Gruppe als Kokht'ana, Koxt'een / Koxt'en iin oder Koht'iin – „Bewohner einer Gegend“ oder „Volk entlang, von, vom 
“cite-ref-10[10]; Namensherkunft: Anglisierung des Gwich'in-Worts Tanan Gwich'in – „Volk entlang des Tanana River (Tanan Gwinjik)“ oder des Koyukon-Worts Ten Hut'aane – „Volk entlang des (Flusswasser) Pfades“, da diese den Tanana River Tene No' – „Wasserpfad“ nannten, wird meist als Sammelbegriff fĂŒr drei regionale Gruppen verwendet, die verwandte Sprachen bzw. Dialekte sprechen, lebten im Flussgebiet des Tanana River im Osten vom Interior Alaska sowie teilweise im angrenzenden Yukon)

7. Tanana / Lower Tanana und/oder Middle Tanana (Dena bzw. Kokht'ana)

8. Tanacross oder Tanana Crossing (Dendeh / Dendeey bzw. Koxt'een / Koxt'en iin)cite-ref-11[11]

9. Upper Tanana (Dineh bzw. Koht'iin)

10. Tanaina (Dena'ina, einzige Gruppe der Alaska-Dene, die bis zur KĂŒste vorstieß, sich in dauerhaften Siedlungen niederließ und den Seefischfang ĂŒbernahm, lebten im Gebiet des Cook Inlet – von ihnen als Tikahtnu – „Viel Wasser fĂŒhrender Fluss“ oder Nuti – „Salzwasser“ genannt – im sĂŒdlichen Zentral-Alaska, ihr Stammesgebiet (Dena’ina EƂnena) erstreckte sich von Seldovia im SĂŒden bis nach Chickaloon im Nordosten, von Talkeetna (K'dalkitnu) im Norden und Lime Village (Hek'dichen Hdakaq') im Nordwesten bis nach Pedro Bay im SĂŒdwesten)

11. Ahtna oder Copper-River-Athabasken (Atna Hwt'aene – „Eis-Menschen“, auch meist jedoch Koht'aene [kote-an-eh] / Hwt'aene – „Bewohner einer Gegend“ oder „Volk entlang, von, vom 
“, um durch eine Ortsangabe die Zugehörigkeit zu einer regionalen Band/Gruppe zu bestimmen; Namensherkunft: Anglisierung ihrer Eigenbezeichnung als Ahtna, Ahtena, Atnatana, Ahtnakotana, Ahtna-Khotana oder Ahtna-Kohtaeneda sich ihr Stammesgebiet (Atna Nenn') im SĂŒdosten Alaskas entlang des Copper River (Atna River) – von ihnen 'Atna' tuu „Fluss der Ahtna“ genannt – und dessen NebenflĂŒssen erstreckte, bedeutet ihr Stammesname etwa „Volk am 'Atna' River, d. h. des Copper River“)

‱ Lower Ahtna (Atnahwt'aene – „Volk an der MĂŒndung des ('Atna') Copper River“ (in den Golf von Alaska))
‱ Central Ahtna oder Middle Ahtna (Dan'ehwt'aene)
‱ Western Ahtna (Tsaay Hwt'aene oder Dze Ta Hwt'aene – „Volk inmitten der Berge, der Nutzotin Mountains“)cite-ref-12[12]
‱ Upper Ahtna (Tatl’ahwt’aene – „Volk vom Oberlauf des ('Atna') Copper River“)

Weitere Unterteilung

Zudem teilt man auf Grund kultureller Adaption an die jeweilige „Landschaft / Umwelt“ (Klima, Topographie, Flora und Fauna), der Ressourcennutzung (Landnutzung, GrĂ¶ĂŸe und rĂ€umliche Verteilung der Bevölkerung sowie Siedlungstypen) der Sozialstrukturen (Soziale Beziehungen, Ökonomie sowie Herrschaft und AutoritĂ€t) und der hieraus sich entwickelnden jeweiligen Kulturellen IdentitĂ€t (SpiritualitĂ€t und Soziale Regeln) sowie der daraus entstandenen/beeinflussten kulturellen Produkte (Jagd-, Waffen- sowie Handwerks-Techniken, „Wissenschaften“ und Kunst) die Alaska-Dene nochmals in zwei regionale/kulturelle Gruppen ein:

‱ SĂŒdliche Alaska-Athabasken (Southern Alaskan Athabaskans) bzw. SĂŒdliche Alaska-Dene: die Dena'ina und Ahtna, da sie kulturell stark den sĂŒdlich lebenden Tlingit sowie anderen Völkern gleichen.
‱ Zentrale Alaska-Athabasken (Central Alaskan Athabaskans) bzw. Binnen-Athabasken (Interior Athabaskans): alle ĂŒbrigen Alaska-Dene, da sie kulturell stark entweder von den Yupik und Iñupiat Eskimo im Norden und Nordwesten oder von den nördlichen Athabasken bzw. Dene – z. B. den Chipewyan (DĂ«nesƳƂinĂ©) und North und South Slavey – im Osten beeinflusst waren.

Dene und/oder nördliche Athabasken

Dene

Die heutige Bezeichnung Dene hat zwei Bedeutungen und wird dementsprechend unterschiedlich verwendet; meist (und im engeren Sinn) wird der Begriff Dene nur fĂŒr fĂŒnf (nach anderer Definition sechs) athabaskischsprachige Bands in Denendeh („Land der Dene“, den heutigen Nordwest-Territorien) und Nunavut sowie einigen Teilen von Manitoba, Alberta im Norden Kanadas benutzt:

1. Chipewyan (DenĂ©solinĂ© oder DĂ«nesƳƂinĂ© – „Volk des kargen, öden Landes“; Namensherkunft: Wetcipwayi Wiyiniwuk bzw. CÄ«pwayān (ᒌᐘᔼᐣ) – ‘People wearing Pointed Skins’ aus der Cree-Sprache der feindlichen Woodland Cree, womit sie auf den typischen Schnitt und Stil der Chipewyan-Parkas hinwiesen (abgel. aus cÄ«pwāw (ᒌᐚ᐀) – ‘to be pointed’ und wayān (ᐘᔼᐣ) – „Haut“ oder „Fell“ zu CÄ«pwayān)cite-ref-13[13]. Das algonkin-sprachige Volk der in den USA meist Chippewa genannten Anishinabe (Ojibwe) hat trotz der Ähnlichkeit des Namens nichts mit den Chipewyan zu tun)

2. Yellowknives (T'atsaot'ine – „Volk des Wasser-Auswurfs“, einer bildlichen Umschreibung des im Fluss vorkommenden Kupfers oder Acha'otinne – „Waldland-Volk“, Namensherkunft: europĂ€ische PelzhĂ€ndler nannten sie Yellowknife („Gelbmesser“), Red Knife („Rotmesser“) oder Red Indians („Rote Indianer“) oder Copper Indians („Kupfer-Indianer“), da diese Kupfermesser benutzten, deren Klingen rot-gelblich schimmerten sowie der Coppermine River und Yellowknife River in ihrem Stammesgebiet reich an diesem Metall waren. FĂ€lschlich unter ihrer Chipewyan-Bezeichnung TandzĂĄn-hot!Ă­nne – „Jene, die am schmutzigen See leben“ als eine regionale Chipewyan Großgruppe betrachtet, jedoch betrachteten sich die Yellowknife als eigenstĂ€ndige Ethnie mit wiederum mehreren Bands und Lokalgruppen und waren meist den Chipewyan Ă€ußerst feindlich gesinnt)

3. Dogrib (TƂįchÇ« bzw. TÄßchĂŽ – „Hunderippe“ oder TƂįchÇ« Done – „Hunderippen-Volk“; Namensherkunft: Adaption ihrer Eigenbezeichnung ins Englische)

4. North Slavey (Dene wĂĄ, die weniger von Fischfang als von der Jagd in den WĂ€ldern und Tundren der Berge und Ebenen lebenden Bands nannten sich Ɂehdzo Got’ı̚ne – „Fallensteller-Volk“, heute zumeist jedoch SahtĂș DenĂ© / Sahtu Dene – „Volk am Great Bear Lake“, unterteilten sich nochmals in vier regionale, kulturelle sowie unterschiedliche Dialekte sprechende Gruppen)

‱ Hare(skin) Dene (K'ahsho Got'ine / K'ĂĄshot' Got'ine – „Volk mit großen Pfeilspizen“ oder K'a so Got'ine / Katoo Got'ine – „Volk der großen Weiden“, Namensherkunft: (Hare(skin) Dene ist vermutlich eine FalschĂŒbersetzung von GahwiĂ© Got'ine – „Kaninchen(Fell)-Volk“, da sie gewebte Kleidung aus Schneehasen-Fellen trugen))
‱ Mountain Slavey (Mountain Dene) (Shita Got'ine / ShĂșhtagot'ine – „Volk inmitten der Berge“)
‱ Willow Lake Dene (K'ĂĄĂĄlÇ« Got'ine – „Volk am Willow Lake“)
‱ SahtĂș Dene (Great Bear Lake Dene) (SahtĂș Got'ine/SahtĂșot'ine/SahtĂș Dene – „Volk am Great Bear Lake“, entwickelten ab 1850 eine eigenstĂ€ndige IdentitĂ€t als SahtĂșot'ine oder SahtĂș Dene, nachdem wĂ€hrend des Pelzhandels K'ahsho Got'ine Bands, die Satihot'in und Et'at'in regional bands der Dogrib (TƂįchÇ«) sowie einige Shita Got'ine, Gwich’in und South Slavey bei DĂ©line (Fort Franklin) am SahtĂș (Great Bear Lake) bevorzugt zum handeln kamen. Bald gab es Heiraten unter den Mitgliedern der verschiedenen Dene Bands und gemeinsame Siedlungen rund um das Fort sowie am Seeufer wurden errichtet. Ihr Dialekt weist große EinflĂŒsse des Dogrib (TƂįchÇ« YatiĂŹ) auf)

5. South Slavey (Deneke oder Denecite-ref-14[14], heute Dene Tha -„Wahres Volk“ in Alberta sowie Deh Cho DenĂ© / Deh Cho Dene – „Volk am großen Fluss, d. h. am Mackenzie River“ im Nordwestterritorium)

Die Gwich'in oder Kutchin (Dinjii Zhuh – „kleine Leute“) werden – obwohl sowohl in Alaska als auch im Yukon und Nordwestterritorium ansĂ€ssig – meist als Alaska-Dene betrachtet, da sie zusammen mit dem HĂ€n (HÀɏ goÉŹan) bzw. HĂ€nkutchin der HĂ€n (HĂ€n HwĂ«ch'in) die sprachliche Untergruppe „Kutchin-HĂ€n“ der nördlichen athabaskischen Sprachen bilden.

Nördliche Athabasken

Fasst man den Begriff Dene weiter (dies geschieht vermehrt in neuerer Fachliteratur sowie seitens der assoziierten Ethnien) werden zudem folgende Bands und Stammesgruppen ebenfalls als Dene betrachtet, meist werden diese jedoch zum Unterschied zu den oben aufgefĂŒhrten Dene nördliche Athabasken oder (oftmals in Kanada) einfach Athabasken genannt (dieser Begriff kann wiederum die oben aufgefĂŒhrten Bands der eigentl. Dene mit einschließen). Sie bewohnten vor allem die NadelwĂ€lder der kanadischen Kordilleren. Ihre Wohngebiete reichten im SĂŒden jedoch bis in die LaubwĂ€lder und Waldsteppen der sogenannten Parklands und zu einem kleinen Teil in die nördlichen Plains westlich und sĂŒdlich der eigentl. Dene in Yukon, British Columbia, Alberta und Saskatchewan:

‱ Tutchone oder Tutchonekutchin (je nach Dialekt: Dan oder DĂ€n, meist bezeichneten sie sich jedoch nach der Zugehörigkeit ihrer regionalen Band/Gruppe als Huč’an oder Ku DĂ€n – „Volk von “; Namensherkunft: mit Dechan to hot'yan – „Volk, das in den WĂ€ldern lebt“ wurden in ihrer Sprache ursprĂŒnglich Tutchone im Stewart River Valley bezeichnet – „Tutchone“ bzw. Wood Indians oder Stick Indians ist dann als Stammesbezeichnung fĂŒr alle Gruppen ĂŒbernommen worden,cite-ref-15[15] ihr Stammesgebiet umfasste das von den OberlĂ€ufen des Alsek und Yukon Rivers (Chu NĂŹikwĂ€n) geprĂ€gten Plateaus sowie entlang des Tatshenshini Rivers (ShĂ€wshe ChĂč) im SĂŒdwesten des Yukonterritoriums sowie im Nordwesten British Columbias, begrenzt im SĂŒdwesten vom KĂŒstengebirge und Saint Elias Mountains sowie im Nordosten von der Selwyn Range – trotzt der vormals gebrĂ€uchlichen Stammesbezeichnung als Tutchonekutchin gehören sie nicht den Gwich'in (Kutchin) an; kulturell sowie sprachlich unterscheidet man zwei große Gruppen – die Northern Tutchone nördlich / nordöstlich des Lake Laberge sowie die Southern Tutchone sĂŒdlich / sĂŒdwestlich)

‱ Northern Tutchone (Dan oder Huč’an, ihr Streifgebiet reichte vom Stewart River (Na Cho Nyak) („Großer Fluss“) sowie dem Pelly River und Macmillan River im Norden, den White River im SĂŒdwesten, das Einzugsgebiet des Big Salmon Rivers im SĂŒdosten sowie die Selwyn Range im Osten, wĂ€hrend des aufkommenden Pelzhandels siedelten grĂ¶ĂŸere Gruppen bei den Handelsposten Fort Selkirk und Big Salmon River Village)
‱ Southern Tutchone (DĂ€n oder Ku DĂ€n, ihr Streifgebiet reichte vom Teslin River westwĂ€rts bis zum White River und vom Lower Tatshenshini (ShĂ€wshe ChĂč) im SĂŒden bis zum Nisling River im Norden, wichtige weitere FischgrĂŒnde waren der Donjek River, Kluane River, Kluane Lake, Hutshi Lakes und Bear Lake, Mitte des 18. Jhd. bis Anfang des 19. Jhd. kamen insb. die sĂŒdlichsten regionale Gruppen der Southern Tutchone verstĂ€rkt unter den kulturellen/politischen Einfluss der Chilkat Tlingit (Jilបåat ណwĂĄan), die den Handel entlang des Dalton Trails sowie Chilkoot Trails (sog. Grease trails bzw. „Fettpfade“) ins Landesinnere zu den Athabasken kontrollierten)cite-ref-16[16]

‱ Tagish (Tā̀gish kotʌīnĂšÊŒ – „Volk vom Tagish Lake“, lebten in der Region des Tagish Lake – von ihnen Tā̀gish – „das Eis (des FrĂŒhlings) bricht“ genannt – und des Marsh Lakes sowie entlang des Yukon River (TahgĂ h Cho) im Yukonterritorium im Nordwesten von Kanada, spĂ€ter jedoch unter dem Einfluss der kulturell und politisch mĂ€chtigeren Tlingit – deren Sprache sie auch ĂŒbernahmen – betrachteten sie sich als regionale Stammesgruppe der Tlingit mit Tagish-Vorfahren und bezeichneten sich als Tagish ណwĂĄan)
‱ Tahltan (TāƂtān, betrachten sich als erste Bewohner des Stikine River, ihr Stammesgebiet umfasste ca. 242.163 kmÂČ im Nordosten von British Columbia, es reichte vom KĂŒstengebirge ostwĂ€rts bis in die tiefer gelegenen borealen NadelwĂ€lder in Yukon im Norden, im Osten bis zu den (nach den Kaska Dena benannten) Cassiar Mountains und umfasste im SĂŒden die OberlĂ€ufe des Nass River und Skeena River; weitere wichtige FlĂŒsse waren der Iskut River, Klappan River und Dease River)
‱ Kaska Dena (GudanĂ©ÊŒ oder Gudene – „Bewohner einer Gegend“, „Volk entlang, von, vom 
“, lebten im Flussgebiet des Liard River, Finlay River, Ross River und Pelly River im Nordwesten von Kanada, ihr einstiges ca. 240.000 kmÂČ großes Stammesgebiet erstreckte sich ĂŒber den Norden von British Columbia, den SĂŒdosten von Yukon sowie bis in den SĂŒdwesten der Nordwestterritorien)
‱ Tsetsaut (WetaÉŹ bzw. Wetalth; Namensherkunft: T'set'sa'ut, Ts'a̱ts'aaw oder Jits'aawit („Volk im Landesinnern“) war unter den Gitxsan, Tsimshian und Nisga’a ein Sammelbegriff fĂŒr mehrere benachbarte feindlichen Bands der nördlichen Athabasken – neben den Tsetsaut auch fĂŒr die Sekani, Kaska Dena, Tahltan und Tagish, zur Unterscheidung von diesen Athabasken nannte man die Tsetsaut auch eigentl. Tsetsaut oder Westliche Tsestaut und manche Gruppen der heutigen Tahltan auch Östliche Tsestaut)
‱ Sekani (je nach Dialekt: Tsek’ene, Tse Keh Nay, Tsay Keh Dene – „Volk in den steinigen Bergen“; Namensherkunft: eine Anglisierung ihrer Eigenbezeichnung, lebten entlang des Upper Fraser River nordwĂ€rts entlang der Rocky Mountain Trench bis zum Quellgebiet des Kechika River, eines Nebenflusses des Liard River, am Williston Lake, nordwestwĂ€rts ĂŒber den Takla Lake einschließlich entlang des Finlay River und Parsnip River, wurden oftmals aufgrund kultureller und sprachlicher Ähnlichkeiten mit den benachbarten Dane-zaa (Daneáș•aa) als eine Untergruppe der Dane-zaa (Daneáș•aa) betrachtet, die sich vor den vordringenden bewaffneten Plains Cree in die Berge geflĂŒchtet hatte)
‱ Chilcotin (Tsilhqot'in – „Volk des blauen Wassers“ oder „Volk entlang des Flusses“, Tsilh – „blau“, qo – „Wasser“ und t'in – „Volk“; Namensherkunft: eine Anglisierung ihrer Eigenbezeichnung, lebten entlang des Chilcotin River im Chilcotin Plateau zwischen Fraser River und den Coast Mountains im SĂŒden British Columbias, wurden bekannt durch den Chilcotin-Krieg unter FĂŒhrung des HĂ€uptlings Klattasine (Lhats'asʔin)cite-ref-17[17] (Chinook Wawa: „Wir wissen seinen Namen nicht“), der sich gegen die Erschließung / Durchquerung des Landes wĂ€hrend des Cariboo-Goldrauschs vergeblich wehrte)
‱ Carrier oder heute vermehrt Dakelh („TrĂ€ger“, historische Sammelbezeichnung fĂŒr zwei sprachlich verwandten Stammesgruppen; Namensherkunft: englische Übersetzung des Sekani-Namens fĂŒr Dakelh-Gruppen als Aghelhne oder AÉŁelne – „Jene, die etwas tragen“ bzw. „die TrĂ€ger“, da die Dakelh-Witwen die Asche ihrer verstorbenen MĂ€nner drei Jahre lang in einem Tragesack umhertrugen)

‱ eigentliche Carrier oder Dakelh (heute meist Dakelh, jedoch bezeichnen sich nur die sĂŒdlichen und mittleren Dialektgruppen als Dakelh / Dakelh-ne – „Volk das ĂŒber Wasser reist“ (eine Kontraktion der Bezeichnung uda ukelh und ne), die nördlichen Dialektgruppen hingegen als Yinkadinee oder Yinka DĂ©nĂ© – „Menschen der Welt“)
‱ fĂ€lschlicherweise Nördliche bzw. Westliche Carrier genannt:

‱ Babine oder Nördliche Carrier (Yinka Whut'en – „Menschen der Welt“; Namensherkunft: französische PelzhĂ€ndler beobachteten beim Erstkontakt, dass Frauen der Babine Labret-Piercings (Lippenpiercings) trugen und nannten sie daher Babine (in etwa „lippig“), lebten entlang des Babine Rivers sowie rund um den Babine Lake, Trembleur Lake und den Takla Lake im zentralen Innern von British Columbia)
‱ Wet'suwet'en oder Westliche Carrier (Yinka Whut'en – „Menschen der Welt“ und um sich von anderen Gruppen abzugrenzen als Wet'suwet'en bzw. Wit'suwit'en – „Volk vom Bulkley River“; lebten teilweise in den Coast Mountains und Hazelton Mountains sowie im Flussgebiet des Bulkley River (Wet'sinkwha / Wa Dzun Kwuh), einschließlich des Broman Lake und François Lake)

‱ Sarcee oder Sarsi (Tsuu T'ina bzw. Tsu T'ina – „viele Menschen“ oder „eine große Anzahl von Menschen“; Namensherkunft: die einst feindlichen Blackfoot nannten sie auf Grund ihres Wagemutes und Kriegskunst saahsi, sarsi oder Sucseqwan – „kĂŒhnes, mutiges Volk“ oder „stures, trotziges Volk“cite-ref-18[18], lebten als nördlichste Vertreter der Plainsindianer in den östlichen AuslĂ€ufern der Rocky Mountains, den Parks und Plains im Nordosten von British Columbia und im Nordwesten Albertas westlich von Edmonton)
‱ Dane-zaa oder Tsattine (je nach Dialekt: Daneáș•aa, Dane-Zaa, Dunne Tsaa, Dunne-za / Dunne Za oder Dunneza – „das wahre, prototypische Volk“; Namensherkunft: die Dakelh bezeichneten sie als Tsat'en, Tsattine oder Tza Tinne und die Cree als Amiskiwiyiniw oder Amisk Wiyiniwak „Bieber-Volk“ bzw. „Volk inmitten von Bibern“. Daher wurden sie frĂŒher im Englischen oft als Beaver und im Französischen als Gens de Castor und in ethnologischen Berichten als Tsatinne bezeichnet. Vor 1800 lebten die Dane-zaa weiter östlich nahe dem Athabaska und Clearwater Rivers und nordwĂ€rts bis zum Lake Athabasca sowie in Gebieten nördlich des Upper Peace River, nach schweren KĂ€mpfen mit in ihre östlichen Gebiete vordringenden bewaffneten Plains Cree, schlossen sie mit diesen ca. 1800 am Peace River Frieden, die Plains Cree mussten sĂŒdlich und östlich und die Dane-za endgĂŒltig nördlich und westlich des Peace River bleiben).

Kultur

Die Athabasken waren seit jeher nomadische JĂ€ger und Sammler oder halbnomadische Fischer und bildeten den gesamten Westteil des subarktischen Kulturareales der nordamerikanischen Indianer. Der Wald bot den Menschen reichlich tierische Nahrung: Waldkaribus, Waldbisons, Hirsche und Elche. Entlang der FlĂŒsse wurde rege Fischfang betrieben. Pflanzenkost (Beeren, Wurzeln, verschiedene WildkrĂ€uter und vorverdaute Pflanzenreste aus dem Magen erlegter Karibu) standen jedoch nur in geringen Mengen zur VerfĂŒgung. Durch den Handel mit den EuropĂ€ern wurde die Pelztierjagd im 18. Jahrhundert zur Basis ihrer Wirtschaft. Die herrscherlosen und basisdemokratisch organisierten Athabasken streiften in kleinen, egalitĂ€ren Verwandtschaftsgruppen durch die NadelwĂ€lder und Tundren ihrer Heimat.cite-ref-motz-2-1[2]

„Einige Dene sagen, daß die Erde unser Körper ist. Andere sagen, sie ist ein großer Selbstbedienungsladen. [
]“

–

George Blondin, Déne-Indianer aus Kanada

Der Alltag dieser im hohen Norden lebenden Menschen wurde frĂŒher vor allem durch die Umwelt- und KlimaverhĂ€ltnisse geprĂ€gt, denen man sich möglichst gut anpassen musste, um gut zu leben. Die wichtigsten Materialien zur Herstellung von Kleidung und GebrauchsgegenstĂ€nden waren Leder, Pelze und Birkenrinde, aus der vor allem BehĂ€lter und Kanus hergestellt wurden. Die Behausungen bestanden frĂŒher aus konischen Zelten (Ă€hnlich den Tipis der PrĂ€rie-Indianer) im SĂŒdosten und Pultdach-Zelten im Nordwesten, die mit Fell oder Rinde gedeckt waren. Dort kamen auch noch BlockhĂ€user und ErdhĂŒtten hinzu. Die lĂ€ngste Zeit des Jahres herrschte Winter. Als Transportmittel waren den athabaskischen Völkern Hundeschlitten in der Regel unbekannt (im Gegensatz zu den benachbarten Yupik und Iñupiat Eskimo); sie nutzten bei ihren langen Fußwanderungen die Hunde nur zur Jagd, zum Schutz ihrer Lager sowie als Packtiere. Dies stellten auch die ersten PelzhĂ€ndler und Forscher Mitte des 19. Jhd. fest, als sie entlang des Yukon River weiter ins Landesinnere von Alaska und Kanada vorstießen. Nur die kulturell stark von den Yupik beeinflussten Ingalik und Holikachuk sowie die Koyukon nutzten Hundeschlitten, vermutlich hatten sie diese Technik von den Iñupiat oder Yupik gelernt. Die anderen, einschließlich der Gwich'in, Tanana, Ahtna sowie der ĂŒbrigen Athabasken, zogen ihre Schlitten oder Toboggans (kufenlose Schlitten) per Hand.cite-ref-20[20] Wahrscheinlich fĂŒhrten die Athabasken in Nordamerika den Rahmenschneeschuh ein, zumindest haben sie ihn am vollkommensten entwickelt. Dieser ermöglicht ihnen auch bei hohem Schnee die Jagd auf Großwild. In den schneefreien Monaten diente vor allem das Kanu als Fortbewegungsmittel.

In der Freizeit war und ist den Athabasken Gesang und Tanz sehr wichtig: Es gibt ein sehr weitreichendes Liedgut zu allen Themen des Lebens. FrĂŒher waren die Lieder zudem eine Möglichkeit zur Wissensvermittlung an die Kinder, die bereits sehr frĂŒh mit der Musik konfrontiert wurden. Bei den Athabasken Alaskas kannte man zudem den Potlatch, ein rituelles Geschenkfest bei großen ZusammenkĂŒnften, das von den NordwestkĂŒstenkulturen ĂŒbernommen wurde.cite-ref-ankn-3-1[3] Ein ĂŒber die Grenzen Kanadas hinaus bekannter athabaskischer Musiker ist Jerry Alfred von den Selkirk-Tutchone.

Seit Mitte des 20. Jahrhunderts nimmt die Assimilation der Athabasken durch die moderne Gesellschaft immer mehr zu. Zu Anfang des 21. Jahrhunderts sprechen noch rund 50 Prozent der Dené ihre Muttersprachen, die jedoch zum Teil vom Verschwinden bedroht sind.cite-ref-taschenatlas-1-1[1]

Sozialstrukturen

Das soziale Leben ist seit jeher von drei Prinzipien bestimmt:cite-ref-ankn-3-2[3]

Der erste Grundsatz war Pragmatismus. Die GrĂ¶ĂŸe der Gruppen musste sich zwangslĂ€ufig an den zur VerfĂŒgung stehenden Ressourcen orientieren, die im hohen Norden rĂ€umlich und zeitlich sehr unterschiedlich waren. War nur wenig Nahrung vorhanden, lebten die Athabasken in lokalen Gemeinschaften (engl. local bands) bzw. Familiengruppen, die aus einer oder mehreren matrilokalen und matrilinearen Großfamilien bestanden (Hier bildeten wiederum die stark kulturell und sozial von den Yupik geprĂ€gten Holikachuk und Ingalik eine Ausnahme). War genĂŒgend Nahrung vorhanden, bildeten mehrere Lokalgruppen eine regionale Band (siehe auch: Wildbeuter-Horde). Noch grĂ¶ĂŸere Lager wurden errichtet, wenn Zeremonien, Feiern und Ă€hnliches stattfanden. Dennoch waren die Territorien selbst der kleinsten Gruppen genau festgelegt.

Das zweite Prinzip hieß Verwandtschaft. In der Regel waren in einer Lokalgruppe oder Band die Mitglieder untereinander in irgendeiner Weise verwandt. Zur Vermeidung von Inzest gehörten MĂ€nner und Frauen jedoch unterschiedlichen Clans an, die durch unterschiedliche Totems (Gruppenabzeichen) voneinander abgegrenzt wurden. Das Totem war nach Tieren und Pflanzen (aber auch Bergen, FlĂŒssen, Quellen und Ă€hnlichem) benannt und stellte ĂŒberdies eine mythisch-verwandtschaftliche Verbindung zu diesen her. Da sie glaubten, dass jeder Clan von einer gemeinsamen Stammmutter bzw. einem gemeinsamen Ahnen (dies konnten auch Tiere und Naturerscheinungen sein) abstammen wĂŒrde, erlaubten ihre Heiratsregeln keine Heiraten innerhalb des gleichen Clans und waren tabu. Hierdurch waren sie gezwungen, ihre zukĂŒnftigen Ehepartner außerhalb ihres eigenen Clans innerhalb ihrer Band oder Stammesgruppe oder unter ebenfalls in matrilineare Clans organisierten benachbarten Völkern zu suchen, so dass diese gegenseitigen exogamen Heiraten zwischen zwei (oder mehreren) Gruppen zur Grundlage umfassender Allianzen zwischen (wie bei den Athabasken und Tsimshian sogar ethnisch und sprachlich) verschiedenen Völkern wurden (siehe Frauentausch). FĂŒr diese Völker war nicht die sprachliche oder ethnische Abstammung von Bedeutung, sondern die Zugehörigkeit zum Clan der Mutter. Da alle StĂ€mme glaubten, die Clans seien untereinander verwandt, konnten sie in Not- oder Kriegszeiten auch auf Hilfe von Clanmitgliedern benachbarter StĂ€mme setzen. Die Mitglieder eines Clans betrachteten sich somit als Blutsverwandte mit einer gemeinsamen Stammmutter bzw. Ahnen.

So hatten z. B. die zu den nördlichen Athabasken zĂ€hlenden Wet’suwet’en, Babine und Dakelh das Clansystem der benachbarten Tsimshian-sprachigen Gitxsan, Nisga’a und Tsimshian ĂŒbernommen und unterteilten sich ebenfalls in mehrere Clans; die Wet’suwet’en: Gilseyhu (Großer Frosch Clan), Laksilyu (Kleiner Frosch Clan), Gitdumden (Wolf / BĂ€ren Clan), Laksamshu (Fireweed Clan), Tsayu (Biber Clan), die Babine: Likh c’ibu (BĂ€ren Clan), Likh tsa mis xu (Biber Clan), Jilh tsekh xu (Frosch Clan) und Gilanton (Karibu Clan) sowie die Dakelh: Likh ji bu (BĂ€ren Clan), Gilhanten (Karibu Clan), Jihl tse yu (Frosch Clan) und Likh sta Mis yu (Biber Clan).

Der dritte soziale Grundsatz war IndividualitĂ€t. Jeder konnte seine Band-Zugehörigkeit frei wĂ€hlen, sofern es dort Verwandte gab. Dieses Prinzip verhinderte unter anderem Streitigkeiten und sorgte fĂŒr den Zusammenhalt der Band.

Trotz dieser Prinzipien, die eine völlige Isolation der Lokalgruppen verhinderte, bildeten sich ĂŒberall abweichende Gewohnheiten, BrĂ€uche, Dialekte und Überzeugungen heraus. So betrachteten sich die Athabasken nie als ein Volk, höchstens als verwandte Ethnien.cite-ref-21[21]

Glaube

Die ursprĂŒngliche Religion der Athabasken war animistisch: der Glaube, dass alle Lebewesen und auch einige unbelebte Naturobjekte beseelt, bzw. von Geistern (Yega) bewohnt sind. Diese Yegas galten als sehr mĂ€chtig und mussten durch korrektes Verhalten (z. B. bei der Jagd) und Opfergaben wohl gestimmt werden. Prinzipiell wurden Tiere rituell verehrt. VerstĂ¶ĂŸe gegen die Sitten hatten möglicherweise die Rache der Geister zur Folge, die sich in Krankheiten, Not und Elend Ă€ußern konnte. In solchen FĂ€llen wurden bestimmte Beschwichtigungszeremonien durchgefĂŒhrt. Half das nichts, musste ein Medizinmann oder eine Medizinfrau zu Rate gezogen werden, um die Geister zu beschwören und zu besĂ€nftigen.cite-ref-ankn-3-3[3]cite-ref-taschenatlas-1-2[1]

Offiziell sind fast alle Athabasken heute Christen. In Alaska fand die Missionierung bereits durch die Russen statt, so dass die dortigen Indianer in der Regel orthodoxe Christen sind.cite-ref-22[22]cite-ref-23[23] In Kanada begann die Christianisierung in der Pelzhandelszeit, unter anderem auch, um den Handel fĂŒr die EuropĂ€er abzusichern. Aufgrund der extrem dĂŒnn besiedelten Wohngebiete der Athabasken erreichten die Missionare die Menschen nur sporadisch, so dass die religiöse Praxis bis heute noch mehr oder weniger viele Elemente des traditionellen Glaubens enthĂ€lt (siehe auch: Synkretismus). Besonders interessant ist hier das Wirken moderner Propheten der Dogrib und benachbarter Gruppen.cite-ref-24[24]

Erforschung und Aufzeichnung

Die Geschichte der Athabasken ist wenig bekannt, da erst seit Anfang des 20. Jahrhunderts ernsthafte Versuche gemacht wurden, sie zu erforschen. Noch mehr gilt dies fĂŒr die an archĂ€ologischen Funden arme Vorgeschichte ihres Siedlungsgebiets, die erst seit den 1970er Jahren allmĂ€hlich erhellt wird.cite-ref-25[25] Seit ca. 1000 v. Chr. sind die Athabasken im Einzugsgebiet des Mackenzie River nachweisbar. Ihnen voraus (seit etwa 3000 / 2000 v. Chr.?) geht der archĂ€ologische Tayee-Lake-Komplex im SĂŒden Yukons.cite-ref-26[26]

Um 1770 stießen PelzhĂ€ndler zum Lake Athabasca vor, wo sie mit Gruppen der Athabasken in Verbindung traten, u. a. mit den Beaver, Slavey, Dogrib und Gwich'in.

Im Jahre 1908 reiste der Anthropologe Robert Lowie nach Kanada, um die Lebensweise der Chipewyan zu erforschen und eventuell deren Geschichte zu rekonstruieren. Signifikant ist, dass Lowie nicht in der Lage war, mehr als nur Legenden herauszufinden. Im Nachhinein sagte Lowie: „Wissenschaftlich gesehen, war es der unfruchtbarste Forschungstrip meiner Karriere.“

Heutige Situation

Athabasken leben heute weniger in Reservaten, sondern meist in StÀdten. Dennoch gibt es immer noch zahlreiche abgelegene Dörfer mit vorwiegend athabaskischen Einwohnern. Subsistenzorientierte Jagd und Sammelwirtschaft sowie die kommerzielle Pelztierjagd spielen dort bei manchen Gruppen immer noch eine wichtige Rolle.cite-ref-27[27]

Athabasken haben als Indianer das Privileg einer freien Sozialversicherung sowie eigene Vertretungen, sogenannte Native Corporations, die eingeschrĂ€nkt eigene Gesetze erlassen können. Dies hat zur Folge, dass manche Native Corporations das GlĂŒcksspiel legalisiert haben, obwohl es in dem Staat, in dem sie sich befinden, verboten ist. Dies und die Tatsache, dass sich zahlreiche erdölreiche LĂ€ndereien im Besitz von Native Corporations befinden, hat manchen zu Wohlstand verholfen.

Trivia

Der am 28. Februar 1981 entdeckte Asteroid des inneren HauptgĂŒrtels (3307) Athabasca wurde nach den Athabasken benannt.cite-ref-28[28]

Siehe auch
Literatur

‱ Hunters of the Northern Forest. Time-Life, Alexandria (Virginia, USA) 1995, ISBN 0-8094-9570-8.
‱ Der große Bildatlas Indianer. aus dem Engl. ĂŒbers. von Werner Petermann, Orbis, MĂŒnchen 1995, ISBN 3-572-00770-4. (engl. Originalausgabe: Colin F. Taylor, William C. Sturtevant: The Native Americans. Salamander Books, London, ISBN 0-86101-523-1)
‱ Wendell H. Oswalt: This Land was Theirs. A Study of the North American Indian. 2. Auflage. Wiley, New York u. a. 1973, ISBN 0-471-65717-4.

Einzelnachweise

cite-note-taschenatlas-11. ↑ Willi Stegner (Hrsg.): TaschenAtlas Völker und Sprachen. 1. Auflage. Klett-Perthes, Gotha 2006, ISBN 3-12-828123-8, S. 219.
cite-note-motz-22. ↑ Hartmut Motz: Sprachen und Völker der Erde – Linguistisch-ethnographisches Lexikon. 1. Auflage. Band 2, Projekte-Verlag Cornelius, Halle 2007, ISBN 978-3-86634-368-9. S. Motz.
cite-note-ankn-33. ↑ Introduction to Athabascans (DenĂ©). Alaska Native Knowledge Network, University of Alaska, Fairbanks (USA), abgerufen am 18. April 2015.
cite-note-44. ↑ Werner Petermann (Übersetzer): Der große Bildatlas Indianer (engl. Originalausgabe: The Native Americans. Salamander Books, London). Orbis, MĂŒnchen 1995, ISBN 3-572-00770-4, S. 182–191.
cite-note-55. ↑ Krauss und Golla 1981 und Mithun 1999
cite-note-66. ↑ DEG XINAG ORAL TRADITIONS: RECONNECTING INDIGENOUS LANGUAGE AND EDUCATION THROUGH TRADITIONAL NARRATIVES
cite-note-77. ↑ Upper Kuskokwim (Dinak'i) dictionary
cite-note-88. ↑ Dickinanek’ Hwt’ana: A History of the people of the Upper Kuskokwim who live in Nikolai and Telida, Alaska.
cite-note-99. ↑ Natural Resource Utilization of four Upper Kuskokwim Communities
cite-note-1010. ↑ Search for data in: Database Na-Dene family: Athapaskan group (13 lists)
cite-note-1111. ↑ The Phonology and Morphology of the Tanacross Athabaskan Language
cite-note-1212. ↑ Copper River Native Places – A report on culturally important places to Alaska Native tribes in Southcentral Alaska (Memento vom 13. Juli 2015 im Internet Archive)
cite-note-1313. ↑ Edward S. Curtis: The North American Indian, Bd. 18: The Chipewyan. The Western woods Cree. The Sarsi, Classic Books Company 1928, S. 3.
cite-note-1414. ↑ South Slavey Topical Dictionary KĂĄtÄ’odehche Dialect
cite-note-1515. ↑ Northern Tutchone Dictionary – Introduction (Memento vom 5. April 2018 im Internet Archive)
cite-note-1616. ↑ die Handelsmonopole der Chilkat Tlingit (Jilបåat ណwĂĄan) durch den Chilkoot Pass sowie der White Pass (Dead Horse Trail) wurden 1870 durch die US-Armee und 1890 durch den Chilkat Pass durch amerikanische HĂ€ndler – bis dahin hatten die Tlingit mitunter auch mit militĂ€rischer Gewalt jeweils direkte Handelskontakte zwischen den Athabasken und den EuropĂ€ern an der NordwestkĂŒste verhindert; sie untersagten ihren athabaskischen Handelspartnern – den trading chiefs – zur KĂŒste zum Handeln zu kommen.
cite-note-1717. ↑ Dictionary of Canadian Biography – KLATSASSIN (Klatsassan, Klattasine), Chilcotin Chief
cite-note-1818. ↑ Lakeview Community Association – Tsuu T'ina Nation Series (Memento vom 12. Juli 2015 im Internet Archive), abgerufen am 18. April 2024.
cite-note-191. Stimmen der Erde. Raben, BMAG (Hrsg.) Big Mountain Aktionsgruppe e. V.: MĂŒnchen 1993, S. 42.
cite-note-2020. ↑ die Innu und Naskapi sowie Cree der Subarktis nutzten ebenfalls den Toboggan – einen von Hunden oder dem JĂ€ger gezogenen kufenlosen Schlitten – als Transportmittel.
cite-note-2121. ↑ Phyllis Ann Fast: Northern Athabascan Survival. University of Nebraska Press, 2002, S. 3 ff.
cite-note-2222. ↑ Jörg R. Mettke: Russlands Kolonie in Amerika. In: Der Spiegel. Nr. 1, 2004, S. 90–93 (online).
cite-note-2323. ↑ Uwe Klußmann: FĂŒr eine Handvoll Dollar. In: Spiegel Geschichte. 1/2012, S. 99.
cite-note-2424. ↑ Christian F. Feest: Beseelte Welten – Die Religionen der Indianer Nordamerikas. In: Kleine Bibliothek der Religionen, Bd. 9, Herder, Freiburg / Basel / Wien 1998, ISBN 3-451-23849-7. S. 191.
cite-note-2525. ↑ Siehe die Datierungsversuche von J. P. Cook, R. A. McKennan: The Athapaskan Tradition: A View from Healy Lake. Paper presented to Athapaskan Conference, Museum of Man, Ottawa, March 1971.
cite-note-2626. ↑ Handbook of North American Indians, Smithsonian Institute Washington DC, 1978–2001, ISBN 0-16-050400-7, vol. 5: Arctic. S. 133ff.
cite-note-2727. ↑ Barry M. Pritzker: A Native American Encyclopedia. History, Culture and Peoples. Oxford University Press, New York 2000, ISBN 0-19-513877-5, S. 491, 495.
cite-note-2828. ↑ Lutz D. Schmadel: Dictionary of Minor Planet Names. Fifth Revised and Enlarged Edition. Hrsg.: Lutz D. Schmadel. 5. Auflage. Springer Verlag, Berlin, Heidelberg 2003, ISBN 3-540-29925-4, S. 275, doi:10.1007/978-3-540-29925-7_3308 (englisch, 884 S., springer.com [PDF; 7,3 MB; abgerufen am 27. Dezember 2024] Originaltitel: Dictionary of Minor Planet Names. Erstausgabe: Springer Verlag, Berlin, Heidelberg 1992): “1981 DE1. Discovered 1981 Feb. 28 by S. J. Bus at Siding Spring.”